Ausgefragt?! – Dr. Gerold Söffker – Organspende: Nach dem eigenen Tod anderen Menschen helfen


Interview mit Dr. Gerold Söffker

Schneller als gedacht, kann jeder durch einen Unfall oder eine Erkrankung in die Situation kommen, auf ein Spenderorgan angewiesen zu sein oder selbst zum Organspender zu werden. Warum Organspenden Leben retten, was man schon zu Lebzeiten tun kann, um seine Einstellung zur Organspende zu dokumentieren und wie eine Organspende abläuft, erklärt der Transplantationsbeauftragte des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) Dr. Gerold Söffker anlässlich des Tages der Organspende am 3. Juni.

  • Mein Name ist Gerold Söffker. Ich bin der Transplantationsbeauftragte des UKEs und mein Aufgabenbereich ist die Organspende.

    Herr Dr. Söffker, warum ist Organspende wichtig?

    Organspende ist deswegen wichtig, weil jeder von uns an einer Erkrankung, auch wenn er es nicht glaubt, schnell erkranken kann, die eine Organtransplantation notwendig macht. Und gäbe es keine Organspende, gäbe es dann auch keine Hoffnung.

    Wie hoch ist der Bedarf an Organen in Deutschland?

    Anfang dieses Jahres standen bei Eurotransplant circa 8500 Patienten, Patientinnen auf der Warteliste. Demgegenüber wurden letztes Jahr 2662 Organe gespendet. Hieran erkennt man den Unterschied zwischen Bedarf und Angebot.

    Was ist die Voraussetzung für die Organspende?

    Die Voraussetzung für die Organspende ist in Deutschland die Feststellung des Hirntodes. Hierbei müssen zwei Experten, die dafür ausgebildet sind, den Hirntod feststellen.

    Wie läuft eine Organspende ab?

    Nachdem der Hirntod festgestellt ist, wird im Entnahmekrankenhaus geklärt, ob eine Einwilligung vorliegt. Danach wird geprüft, welche Organe zur Entnahme in Frage kommen. Und die Deutsche Stiftung Organtransplantation klärt dann, wie die Organe vom Spender zum Empfänger kommen.

    Wer kann Organspender:in sein?

    Eigentlich muss man die Frage genau andersherum stellen: Wer kann eigentlich kein Organspender:in sein? Hierbei gibt es nur ganz wenige Ausnahmen. Das sind zum Beispiel metastasierte Tumorerkrankungen. Aber ganz wichtig ist, dass man bis ins hohe Alter spenden kann, dass Bluthochdruck oder Diabetes mellitus keine Kontraindikationen sind.

    Ist die Organspende rechtlich geregelt?

    Die Organspende ist in Deutschland im Transplantationsgesetz juristisch geregelt. Hierbei wird festgelegt, wie der Hirntod festgestellt wird, wie die Transplantation zu erfolgen hat und so weiter. Ganz wichtig ist, dass hierbei vor allen Dingen Augenmerk darauf gelegt wird, dass es keinen Missbrauch gibt, dass es transparent ist und dass keine Interessenskonflikte bestehen.

    Wie dokumentiere ich meine Entscheidung zur Organspende?

    Am besten ist es, wenn man seinen Willen entweder schriftlich dokumentiert im Organspendeausweis, in einer Patientenverfügung oder ab nächstem Jahr auch im Online-Register. Mindestens aber sollte man das mündlich mit seinen nächsten Angehörigen besprechen.

    Was passiert, wenn ich zu Lebzeiten keine Entscheidung getroffen habe?

    Habe ich keine Entscheidung getroffen, dann werden die Angehörigen gefragt, ob sie den mutmaßlichen Willen wiedergeben können. Ist auch das nicht möglich, dürfen die Angehörigen nach ihrem eigenen Willen entscheiden. Letzteres führt allerdings dazu, dass sehr häufig Ablehnungen vorkommen.

    Haben Sie noch eine Botschaft für uns?

    Zum Tag der Organspende möchte ich erst mal allen bisherigen Spenderinnen und Spendern danken und auch deren Angehörigen. Denn nur hierdurch war es möglich, dass Patienten geholfen werden konnte. Daher möchte ich Sie bitten, sich mit dem Thema selber zu beschäftigen, Ihren Willen zu bekunden, zu dokumentieren. Und denken Sie daran: Organspende kann Leben retten.