Ausgefragt?! – Mein Kind bekommt eine neue Niere


Interview mit Prof. Jun Oh

Kinderklinik im Kinder-UKE

Das Thema Organspende ist nicht nur für Erwachsene wichtig: Auch Kinder und Jugendliche können durch schwere und lebensbedrohliche Erkrankungen auf eine Organtransplantation angewiesen sein. Am Universitären Transplantations Centrum (UTC) am UKE werden jährlich 10 bis 15 Nierentransplantationen bei Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Diese werden meist durch chronische, angeborene Nierenerkrankung notwendig, etwa durch eine Fehlbildung der Nieren oder der Harnwege. Im Video erklärt Prof. Jun Oh, Leiter der pädiatrischen Nephrologie am Kinder-UKE, wie eine Nierentransplantation abläuft.

  • Mein Name ist Jun Oh, ich bin Kindernephrologe und stellvertretender Leiter des Kinder-UKE.


    Herr Professor Oh, welche Erkrankungen machen eine Nierentransplantation bei Kindern und Jugendlichen notwendig?

    In erster Linie sind verantwortlich Erkrankungen, die bereits am ersten Lebenstag zum Tragen kommen. Es sind angeborene Fehlbildungen des Harnleiters, des Harntraktes und der Nieren. Es kommt da zum Beispiel zur Veränderung des Nierengewebes. Die Niere kann vom ersten Lebenstag an nicht funktionieren. Oder es kommt zu einer Behinderung des Urinflusses. Also anstelle von dass der Urin von Niere in die Blase läuft, läuft der Urin wieder von der Blase zurück in die Niere und schädigt dort die Niere.


    Wie ist der Ablauf einer Nierenspende?

    Zunächst wird (hier sagt er eigentlich werden, aber das kann ich fixen – ja super) in intensiven Gesprächen geklärt, ob eventuell eine Lebendspende geplant ist. Das heißt also, dass zum Beispiel Vater oder Mutter spendet. Oder es wird entschieden, dass eben dies nicht möglich ist, aufgrund von medizinischen Gründen zum Beispiel, und man letztendlich den Patienten auf eine Warteliste setzt. Das ist erst mal der erste und wichtigste Schritt. Im weiteren Verlauf findet dann eine Evaluierung des Patienten statt, das heißt, der Patient wird untersucht oder eben auch entsprechend die Spender – Vater oder Mutter – ob gesundheitlich es Gründe gibt, die gegen eine Transplantation sprechen würden. Wenn dies dann eben erfolgt ist und man keinen medizinischen Grund gefunden hat, der gegen eine Transplantation spricht, dann würde der Patient vorbereitet werden, und man wählt einen Termin, an dem dann die Operation stattfindet, sprich: das Organ wird von Vater oder Mutter auf das Kind übertragen bzw. transplantiert. Steht dem Patienten eine Lebendspende nicht zur Verfügung, so wird der Patient hinsichtlich einer Nicht-Lebendtransplantation evaluiert, das heißt, der Patient kommt nach genauer medizinischer Voruntersuchung auf eine Organwarteliste. Die derzeitige Wartezeit beträgt etwa zwei bis vier Jahre. Diese verlängerte Wartezeit ist zurückzuführen auf die Organknappheit in Deutschland.


    Ist eine Lebendspende immer m
    öglich?

    Eine Lebendspende ist nicht immer möglich. Es ist wichtig, dass der Spender gesund ist und auch nach erfolgter Gabe des Organs gesund bleibt. Und da ist es ganz wichtig, dass diese Patienten oder die Spender entsprechend sehr genau untersucht werden, um zu schauen, ob es ein erhöhtes Risiko vielleicht gibt. Da ist es ganz wichtig für uns, dass wir diese Patienten vorher kennenlernen, häufig Vater und Mutter, und entsprechend sehr genau medizinisch evaluieren.


    Welche Vorteile bietet eine Lebendspende?

    In circa 30 bis 40 Prozent der Fälle transplantieren wir ein Organ von Mutter oder Vater in das Kind. Der Vorteil ist, dass dieses Organ immunologisch dem Kind sehr ähnlich ist. Ein weiterer Vorteil ist auch, dass wir den Zeitpunkt der Transplantation genau festlegen können. Es wird im Prinzip ein Organ des Spenders genommen und in das Kind transplantiert. Um sicherzugehen, dass dem Spender nichts passiert, werden auch Spender im Nachgang weiter sehr engmaschig kontrolliert und in unserem Zentrum gesehen.


    Wie läuft der Eingriff der Transplantation ab?

    Ist ein Organ gefunden worden, so erhalten wir den Anruf aus dem Transplantationszentrum, dass ein Organ für einen bestimmten Patienten zur Verfügung steht. Daraufhin nehmen wir dann Kontakt auf mit der Familie, um zu klären, ob dieser Patient derzeitig gesund ist und für eine Transplantation zur Verfügung steht. Wenn dies der Fall ist, so wird der Patient dann in die Kinderklinik aufgenommen und dort entsprechend noch einmal vorbereitet auf die Operation, die tags oder auch nachts durchgeführt werden kann. Im Prinzip bleibt der Patient im Durchschnitt etwa zwei bis drei Wochen stationär da und kann dann hoffentlich mit einem funktionierenden Organ nach Hause entlassen werden.


    Wie sieht die Nachsorge aus?

    Nach erfolgter Transplantation kann der Patient nach circa zwei bis drei Wochen nach Hause entlassen werden. In den ersten Wochen danach sehen wir den Patienten regelmäßig bis zu drei Mal in der Woche, um sicherzustellen, dass das Organ weiterhin gut funktioniert. Im weiteren Verlauf sehen wir die Patienten dann immer seltener, weil das Organ immer stabiler wird. Es ist wichtig aber zu verstehen, dass der Patient auch nach erfolgter Transplantation regelmäßig zu Kontrollen erscheinen muss und auch entsprechende Medikamente noch nehmen muss, die das Organ schützen werden.


    Haben Sie noch eine Botschaft für uns?

    Wir sind das größte deutsche Transplantationszentrum für Leber und Nieren bei Kindern. Da die Organtransplantation so ein wichtiger Schritt im Leben Ihres Kindes ist, ist es ganz wichtig, dass all Ihre Fragen von Spezialisten beantwortet werden können. Und für diese Fragen stehen wir jederzeit zur Verfügung.