Ausgefragt?! – Bauchspeicheldrüse: Unauffälliger Schmerz, ernste Folgen


Interview mit Prof. Dr. Thilo Hackert


Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie

Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) gehört zu den dritthäufigsten Tumoren des Magen-Darm-Trakts. In Deutsch-land erhalten jährlich knapp 17.100 Menschen die Diagnose. Der Welt-Pankreaskrebstag steht unter dem Motto „Hallo Pan-kreas“ und soll auf die Wichtigkeit einer frühzeitigen Diagnose hinweisen. Welche Diagnostik- und Therapiemöglichkeiten es gibt, erklärt Prof. Dr. Thilo Hackert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie im Universitären Cancer Center Hamburg (UCCH) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE).

  • Mein Name ist Thilo Hackert. Ich bin der Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf.


    Herr Professor Hackert, welche Aufgabe übernimmt die Bauchspeicheldrüse in unserem Körper?

    Die Bauchspeicheldrüse ist eines der zentralen Stoffwechselorgane in unserem Körper, das heißt, die Bauchspeicheldrüse produziert viele Flüssigkeiten, die für die Verdauung entscheidend sind. Das heißt für die Verdauung von Fett, von Eiweißen, aber auch von Zucker. Und daneben hat die Bauchspeicheldrüse eine ganz wichtige hormonelle Funktion. Das heißt, in der Bauchspeicheldrüse wird das Insulin produziert, was für die Blutzuckerregulation das zentrale Hormon darstellt.

    Welche häufigen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse gibt es?

    Es gibt an der Bauchspeicheldrüse entzündliche Erkrankungen. Das ist zum einen die akute Bauchspeicheldrüsenentzündung, die meistens durch Gallensteine oder übermäßigen Alkoholkonsum ausgelöst wird. Daneben gibt es die chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Auch hier spielt chronischer Alkoholkonsum eine große Rolle. Daneben das Rauchen als Risikofaktor. Und dann gibt es natürlich das Pankreaskarzinom, also die bösartige Erkrankung der Bauchspeicheldrüse, die einen sehr großen Stellenwert hat und im Moment als eine Tumorart mit steigender Zunahme zunehmend wichtig wird.

    Wie entsteht Bauchspeicheldrüsenkrebs?

    Bauchspeicheldrüsenkrebs entsteht zum einen auf dem Boden einer chronischen Entzündung, das heißt Patienten mit chronischer Bauchspeicheldrüsenentzündung haben ein erhöhtes Risiko, Bauchspeicheldrüsenkrebs zu entwickeln. Bauchspeicheldrüsenkrebs kann daneben aus sogenannten Zysten entstehen, die Veränderungen der Bauchspeicheldrüse, die Flüssigkeit enthalten und sich dann über lange Zeit zu Bauchspeicheldrüsenkrebs verändern können. Selten ist Bauchspeicheldrüsenkrebs auch erblich, das heißt, dass es Familien gibt, wo das gehäuft auftritt und wo man entsprechend dann auch Vorsorgeuntersuchungen unter Umständen machen muss.

    Wie kann man vorbeugen?

    Man kann Bauchspeicheldrüsenkrebs leider nicht gezielt vorbeugen. Man kann die allgemein gültigen Vorbeugemaßnahmen durchführen, das heißt, eine gesunde Ernährung, auf Alkohol und Zigaretten verzichten, sich gut körperlich bewegen. Ansonsten gibt es leider keine gezielte Vorbeugung für den Bauchspeicheldrüsenkrebs.

    Welche Symptome gibt es?

    Das Gefährliche an Bauchspeicheldrüsenkrebs ist, dass es häufig keine Symptome gibt oder die Symptome sehr unspezifisch sind. Das kann Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust sein. Das können unspezifische Rückenschmerzen sein, die häufig auch nicht als solche gleich von der Bauchspeicheldrüse erkannt werden. Gelegentlich äußert sich Bauchspeicheldrüsenkrebs sehr früh mit einer Gelbsucht und mit Verdauungsstörungen. Das sind aber, wie gesagt, nicht die häufigsten Fälle.

    Wie wird Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert?

    Wenn der Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs besteht, wird in der Regel zunächst ein Ultraschall des Bauchs durchgeführt, dann als nächste Untersuchung meistens eine Computertomographie, ebenfalls des Bauchraumes, wo man die Bauchspeicheldrüse sehr gut beurteilen kann und dann den Bauchspeicheldrüsenkrebs auch findet. Gelegentlich muss eine Untersuchung der Gallen -und Bauchspeicheldrüsenwege durchgeführt werden, eine sogenannte ERCP, wo dann auch eine eventuell vorhandene Gelbsucht behandelt werden kann.

    Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

    Es gibt bei Bauchspeicheldrüsenkrebs grundsätzlich alle Therapiemöglichkeiten aller anderen Krebsarten auch. Das ist zum einen die Operation, die wir bei Diagnosestellung leider nur bei etwa 20 Prozent der Patienten durchführen können, da der Krebs bereits sehr weit fortgeschritten ist. Ansonsten gibt es die Möglichkeit der Chemotherapie als systemische Therapie, mit der dann Stadien behandelt werden, in denen eventuelle Metastasen bereits in der Leber oder im Bauchfell vorhanden sind. Auch die Bestrahlung des Bauchspeicheldrüsenkrebs ist in bestimmten Fällen möglich, so dass hier alle Therapieformen vorhanden sind, die es auch bei anderen Krebsarten gibt.

    Haben Sie noch eine Botschaft für uns?

    Die Botschaft bei Bauchspeicheldrüsenkrebs ist, dass es zwar eine schwerwiegende Erkrankung ist, sich in den letzten 20 Jahren die Therapie dieser Erkrankung aber sehr verbessert hat. Das heißt, wir haben heute sehr gute operative Verfahren. Wir haben sehr gute Chemotherapie-Protokolle, die zur Anwendung kommen, und meine Botschaft ist, dass man bei der Erkrankung Bauchspeicheldrüsenkrebs unbedingt in ein spezialisiertes Zentrum zur Untersuchung und zur Behandlung gehen sollte, um hier die beste Versorgung gewährleistet zu haben.