Ausgefragt?! – Dr. Lisa Steinhilper – Brustkrebs: Häufig, aber gut behandelbar


Interview mit Dr. Lisa Steinhilper

Universitäres Brustzentrum Hamburg

Brustkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten, ist aber heilbar – wenn er frühzeitig erkannt und therapiert wird. Welche Möglichkeiten der Diagnose, Behandlung und Therapien es gibt, erläutert Dr. Lisa Steinhilper, Leiterin des Universitären Brustzentrums im UKE. Wer hier behandelt wird, profitiert von multiprofessionellen und interdisziplinären Expert:innen unter einem Dach.

  • Mein Name ist Lisa Steinhilper, und ich leite das Universitäre Brustzentrum Hamburg im UKE.

    Frau Dr. Steinhilper, wie verbreitet ist Brustkrebs?

    Brustkrebs ist eine häufige Erkrankung. Es ist die häufigste Krebserkrankung der Frau in Deutschland. Etwa 70.000 Frauen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Brustkrebs. Umgerechnet bedeutet das, dass jede achte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkrankt. Das Risiko für Männer ist deutlich geringer. Weniger als 1 % der Männer erkranken an Brustkrebs.

    Wie sind die Heilungschancen?

    Die Heilungschancen für Brustkrebs sind sehr gut. Es ist eine gut behandelbare Erkrankung, die umso besser zu behandeln ist, je früher sie erkannt wird. Und darum spielen Vorsorge und Früherkennung hier so eine wichtige Rolle.

    Was können Menschen präventiv gegen Brustkrebs tun?

    Brustkrebs ist eine multifaktorielle Erkrankung. Das bedeutet, dass es verschiedene Ursachen gibt, die dazu beitragen, ob eine Person an Brustkrebs erkrankt oder nicht. Es gibt Ursachen, die können wir nicht ändern, die trägt jede Person in sich, das sind zum Beispiel das Alter, die Brustdichte, die Genetik, die eigenen Hormonlevel. Neben den nicht veränderbaren Ursachen gibt es auch modifizierbare Ursachen, also so genannte Lifestyle-Faktoren – Gründe, die den Lebensstil beeinflussen und die wir ändern können. Das Halten von Normalgewicht, eine regelmäßige körperliche Aktivität, also regelmäßige Bewegung und eine gute Ernährung sowie wenig oder Verzicht auf Nikotin und Alkoholkonsum können das persönliche Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, reduzieren.

    Wie verläuft die Diagnose?

    Häufig werden Veränderungen in der Brust durch die Patient:innen selbst ertastet. Oder aber es wird im Rahmen der gynäkologischen Vorsorge durch den niedergelassenen Frauenarzt, die niedergelassene Frauenärztin, ein Befund in der Brust erhoben. Ist dieser auffällig, erfolgt eine Überweisung in eine Radiologie oder in ein Brustzentrum Und hier erfolgt die weitere Diagnostik. Weitere Diagnostik an der Brust beinhaltet Ultraschall und Mammografie. Zeigen sich hier Auffälligkeiten, kann eine Probe aus der Brust entnommen werden und feingeweblich untersucht werden. Hier kann durch die Pathologie entweder ein Brustkrebs bestätigt oder aber auch ausgeschlossen werden.

    Was zeichnet das Universitäre Brustzentrum Hamburg aus?

    Für mich zeichnet das Universitäre Brustzentrum Hamburg die ausgeprägte Interprofessionalität und die Interdisziplinarität aus. Und das alles unter einem Dach. Wir können auf kurzem und direktem Wege zu Fachexperten aus allen Abteilungen Kontakt aufnehmen und Behandlungspläne für Patient:innen gemeinsam besprechen. Patient:innen stehen bei uns im Mittelpunkt. Alle Therapieschritte und alle Behandlungspläne werden individuell mit ihnen besprochen.

    Welche Therapien wenden Sie am meisten an?

    Brustkrebs wird multimodal behandelt, das heißt, es gibt verschiedene Therapieschritte. Für fast alle Betroffenen kommt eine Operation infrage. Hier wird der Tumor aus der Brust oder auch in der Achselhöhle entfernt. Für viele Patient:innen schließt sich dann auch eine Bestrahlung an. In den allermeisten Fällen kann im Rahmen der Operation die Brust erhalten werden. In einigen Fällen ist auch eine Brustabnahme möglich. Hier kann aber Rekonstruktion entweder sofort im Rahmen der ersten Operation oder aber auch im weiteren Verlauf angeboten werden. Neben den operativen Therapien und der Strahlentherapie gibt es auch systemische Behandlungsschritte. Das bedeutet, dass eben der gesamte Körper behandelt wird, zum Beispiel durch eine Chemotherapie- die wird zum Glück immer seltener notwendig- oder durch eine antihormonelle Therapie. Das sind Tabletten, die Betroffene über einen längeren Zeitraum nach der abgeschlossenen initialen Behandlung einnehmen. Auch neuere Therapien, so genannte zielgerichtete Therapien, kommen zunehmend auch beim Brustkrebs zum Einsatz.

    Wie entscheiden Sie, welche Therapie für die Patient:innen die geeignetste ist?

    Die Therapie wird immer individueller und damit auch immer komplexer. Welche Therapie für welche Patient:in infrage kommt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab: also, einmal von der Tumorbiologie, aber auch vom Alter der Patient:in, der Nebenerkrankung und der ganz individuellen, häuslichen und privaten Situation der Betroffenen.

    Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Patient:innen nach der Diagnose gut betreut werden?

    Allen Betroffenen wird bei Diagnosestellung sofort die Möglichkeit einer psychoonkologischen Anbindung gegeben. Wir haben Psychologinnen bei uns im Zentrum, die am gleichen Tag für die Betroffenen zur Verfügung stehen und auch im weiteren Therapieverlauf begleiten, das heißt auf Station oder im Rahmen einer notwendigen Chemotherapie und auch nach abgeschlossener Behandlung für die Betroffenen da sind. Neben den medizinischen Behandlungen und Therapien haben wir die Möglichkeit, im Rahmen des Universitären Brustzentrums, eingebettet in das Universitäre Cancer Center Hamburg, in das UCCH, den Betroffenen ein vollumfängliches, komplementäres Angebot an Unterstützung anzubieten. Dazu zählen Ernährungsberatung, Bewegungstherapien, Angebote für komplementärmedizinische Sprechstunden, spezielle Angebote für Familien mit kleineren Kindern oder ältere Betroffene. Es gibt die Möglichkeit, an Studien teilzunehmen und auch das Angebot einer Survivor-Sprechstunde, das heißt nach abgeschlossener Therapie weiter an das Universitäre Cancer Center angebunden zu sein im Rahmen der Nachsorge.

    Haben Sie noch eine Botschaft für uns?

    Brustkrebs ist eine heilbare Erkrankung, wenn er früh erkannt wird. Wir haben immer bessere Therapiemöglichkeiten, und darum möchte ich Sie ermutigen, regelmäßig selbst Tastuntersuchungen durchzuführen, an der regelmäßigen gynäkologischen Vorsorge teilzunehmen und das Früherkennungsprogramm, das Mammografie-Screening, in Anspruch zu nehmen.

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